Kritiken

Kritik verleiht Kraft.

Magda Blau

Ruth Ahrens

Schaffensfreude

Ein Jahrzehnt habe ich als Journalistin den Weg von Magda Blau mitverfolgt, war dabei, als dank ihrer Mitinitiative die Rotacker-Galerie, Wallisellen, 1982 eröffnet wurde. Magda, wie sie ihre Werke signiert, die vielseitige Begabung, kämpferisch, grosszügig, sich verschwendend, sagte einmal "Malen ist ein Teil vom malenden Menschen selbst, sichtbar geworden für jedermann."

Die achtziger Jahre begannen mit Rosen, von Knospen zu Rosenbäumchen. Sie entzückten und traten in den Hintergrund. Strichzeichnungen übernahmen die runde Grundform, aus der alles entwächst. Bemüht um eine einzige, zügig durchgeführte Linie die alles ausdrückt, entstehen fesselnde Bilder: auf ein Minimum reduzierte Figuren; Gesichter mit grossen Augen; daneben picassöse Karikaturen; Träume und Serienbilder. Symbole traten besonders in Collagen aus geschrumpftem Seidenpapier; mit kräftigen Acrylfarben besprüht, hervor. Ebenso sicher wie bei feinen Strichen war Magda, als sie die Spritzpistole in die Hand nahm. Bewusst wollte sie Struktur und eine gewisse Dreidimensionalität erzielen. Die Künstierin schuf auch bemerkenswerte Keramik; Krippenfiguren, den braunen Fisch und die blauen Vögel. Unvergesslich sind die in vollem Glanz glühenden Hinterglasbilder. An ihre überquellende Produktivität gewöhnt, war man doch überrascht von den ersten Bildteppichen. Voller Lebensfreude, rnit weiser Beschränkung auf das Wesentliche, in der Endausführung Teil ihrer persönlichen Entwicklungshilfe, sind sie repräsentativ an Wänden und auf Böden. Jede ihrer Ausstellungen steht unter einem Motto, wie z.B. «Rosen im Rund», «Lebenssymbole, Lebenslinien, Lebensbaum», «Adam und Eva - die Begegnung».

Zu jeder Ausstellung setzt Magda ebenso stilsicher das Wort. Ihre Verse begleiten und bleiben haften. In der Meinung, sie kenne sich selbst am besten, eröffnet sie Vernissagen gern selbst. Sie hält Vorträge über Kunst an verschiedenen Orten, vor unterschieduchem Publikum. Zum Beispiel über Picasso, Egon Schiele, A. R. Fenck und MaJer unserer Zeit. Im Rahmen vom «Damenmorgen» beileibe kein Kaffeekränzchen und ohne missionarischen Charakter - gibt sie echt fassbare Dinge wie «Farben/Farbkreis» weiter und führt kleine Experimente durch. Bei allem engagiert sie sich stark und bereitet sich sorgfältig vor. Dieses Such legt sozusagen die letzte Schicht ihrer Schaffensphasen frei. Vieles ist der Öffentlichkeit noch nicht vorgestellt worden. Magda will «einmal ein wenig Kultur zurücklassen», aber Magda hat wohl noch ein schönes Stück Weg vor sich, auf dem sie gewiss neue Seiten ihres Talents zeigen wird.

Ruth Ahrens

Regula Bibus

Liebe Magda,

Dein lang gehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: ein Geschenk Deiner Familie zu Deinem 60. Geburtstag ermutigte Dich, Deine künstlerischen Arbeiten gedruckt zu zeigen. Du hast Dich für eine zeitliche Eingrenzung entschieden und legst nun eine Auswahl Deiner Zeichnungen, Gedichte und Bilder der letzten zwei bis drei Jahre vor.

Du entstammst einer Familie, die der christlichen Tradition verpflichtet war. Du bist hineingewachsen in die Zeit, wo diese überlieferten Werte in Frage gestellt werden wo Freiräume sich erschliessen, wo auch die Frau ihr Sein neu erfährt. Unterschiede werden deutlich zwischen den tradierten Normen und persönlichen Erfahrungen, Erkenntnissen und Möglichkeiten. Dir ist es nun gegeben, aus diesem Spannungsfeld Dein Empfinden und Dein Denken fliessen zu lassen in Striche, Worte und Farben. Sie helfen Dir - erinnernd, verarbeitend, ordnend - auf der Suche nach Harmonie. Du greifst zum schwarzen Stift. Mit sicherem Strich entstehen immer wieder Köpfe, Hände, Menschen. Du suchst dabei Gefühle zu zeichnen oder Beziehungen darzustellen, die ab und zu auch nicht der Ironie entbehren. Deine Gedichte empfinde ich oft als Beschreibungen Deiner Bilder: Auf der Suche nach Verbalisierung des inneren Diktates verwendest Du Symbole, die sich farbig auch auf der Leinwand finden. Ist meine Annahme wohl richtig, dass sich die Polarität Deiner Persönlichkeit, Dein Verwurzeltsein im Hergebrachten, überlieferten einerseits, Dein Schweben im Grenzenlosen anderseits in Deiner Farbwahl zeigen? Steht nicht das Rot, das Braun für Hier und Jetzt, als Ausdruck Deiner schöpferischen, wärmenden, herzlichen, begeisterungsfähigen, oft auch aggressiven Kraft?

Und Dein Gefühl der Einsamkeit und Deine Sehnsucht nach dem Du, das Hoffen auf Erkenntnis, die Wünsche, einzudringen in die Tiefe der Unendlichkeit, doch Halt suchend in der kosmischen Ordnung - lassen sie Dich die entgegengesetzte Farbskala von der kraftvollen bis zur sphärischen Tönung verwenden sowohl auf der Leinwand als auch in der Personifizierung? Blau, «nomen est omen». Die Annahme dieses Symbols als Künstlername erhöhe Dich, erleuchte Dich, beglücke Dich.

Dein Rägi

Gregor von Chrebentschikow

Die künstlerische Aussage

Farben und Formen, die Faszination des Unbegrenzten, liegen im Unerschöpflichen und werden vom Künstler eingegrenzt, in Grenzen eingefügt.

Sein Streben ist, das an sich Unbegrenzte durch seine Gestaltungskraft zur harmonischen Vollkommenheit zu führen. Die Aufgabe des Künstlers liegt deshalb im spurgetreuen Verfolgen seines Zieles. Fr muss seinem Streben nach Vollkommenheit immer wieder Ausdruck seiner spurgetreuen Einmaligkeit geben. Der Künstler prägt in der bildenden Kunst sein ureigenstes Bild. Diese Spurtreue zeichnet insbesondere unsere Künstlerin Magda Blau aus. Sie hat ihre selbst vorgegebenen Spuren nie verlassen. Gedankengänge, die das Leben jedes Menschen kreuzen; Gesichter, Hände, Augen, zwischenmenschliche Beziehungskreise, Umwelteinflüsse der menschlichen Persönlichkeit, Versuche von Antvvorten auf letzte Fragen. Ihre Gestaltungskraft hat das Unbegrenzte der Farben und Formen in diesen Spuren eingegrenzt und zum harmonischen Ausdruck in ihren Bildern geführt. Wenn Sie als Betrachter und Beschauer der Bilder von Magda Blau die gewollten Spuren erkennen oder empfinden, ist die Bildaussage geglückt und die Arbeit der Künstlerin gekrönt.

Die Vielfalt

Technische Mittel, die tangjährig erprobt wurden, verbinden sich mit malerisch-schöpferischem Gestalten. Die Erscheinungsform ist geprägt von dreidimensionaler spielerischer Abwechslung und ist sehr farbintensiv gehalten. Die Themenkreise sind philosophischer Art und veranlassen den Beschauer zum Nachdenken - zum überdenken. Philosophisch bedeutet aber keineswegs weltfremd, ganz im Gegenteil, es sind Bilder, die lebensnahe, für jeder Beschauer zugängliche Fragen und Antworten in
sich tragen. Die rote Farbe verkörpert die Dynamik in einer Vielfalt von Lebenssituationen und zeigt auf eigenwillige Art das Durchbrechen von Elementen. Jeder Mensch ist in seiner ihm eigenen Lebenssituation mit Hindernissen konfrontiert, die er durchstossen und überwinden muss. Die vorherrschende Farbe ist aber immer wieder Blau. Die Wahl des Künstlernamens Magda Blau ist denn auch dafür symptomatisch. Im Farbton Blau Iregt das Suchen nach Harmonie und das Erfülltsein von Sehnsucht und findet seinen klarsten Ausdruck in den vielfachen Engeldarstellungen, die oft bis zur Auflösung perfekt durchgearbeitet sind. Vielfältig zeigen die Bilder Augenblicke des Lebens, aufgegriffen, doch allgemein gültig gehalten. Die Gestaltung der Bildflächen lässt den Betrachter immer neue Kombinationen erkennen und erahnen. Und gerade diese Anstösse auszulösen ist ein Hauptanliegen der Malerin und eine Herausforderung an die Besucher der Ausstellung. Ein neues, faszinierendes ,Wirkungsfeld von Magda Blau ist die Gestaltung ganzer Wände, sei es an Aussenwänden neuer Bauten oder in einzelnen Räumlichkeiten der Baute. Ihre künstlerischen Arbeiten fliessen dann in die architektonisch vorgegebenen Raumgestaltungen ein und runden diese zu einer harmonischen Gesamtgestaltung.

Gregor von Chrebentschikow